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Baabul

Drama. Indien. Hindi
Alternativer Titel
-

Regie Ravi Chopra
Drehbuch Achala Nager nach einer Story von Ravi Chopra
Produktion B.R. Chopra
Songs Aadesh Shrivastav
Kamera Barun Mukherji
Choreografie Farah Khan, Vaibhavi Merchant, Remo, Rajeev Surti
Darsteller Amitabh Bachchan, Rani Mukherjee, Salman Khan, Hema Malini,
John Abraham, Om Puri, Beena, Rajpal Yadav, Avtar Gill, Sharat Saxena
Länge 169 Min.

Kinostart 8.12.2006
Box office classification
Flop
Molodezhnaja Altersempfehlung o.A.

Humor * *

Spannung *

Action

Gefühl * * *

Anspruch *

Erotik *

STORY
Balraj Kapoor (Amitabh Bachchan) und seine Ehefrau Shobhna (Hema Malini) sind wohlhabend und glücklich - doch vor allem sind sie stolze Eltern: Ihr Sohn Avinash (Salman Khan) ist Sprössling und Freund zugleich. Als er nach siebenjährigem Auslandsaufenthalt in die indische Heimat zurückkehrt, ist demnach Dauerparty angesagt. Bald nach seiner Rückkehr verguckt sich Avi in die hübsche Malvika Talwar (Rani Mukherjee). Da sie sich nach einem dummen Missgeschick mit Balraj zerstritten hat, gibt sich Avi als Mann aus armem Hause aus und erobert ihr Herz. Als die Wahrheit auffliegt, ist es Balraj, der Malvika bittet, seinen Sohn zu heiraten. Sie willigt ein, sehr zum Schock ihres besten Freundes Rajat Varma (John Abraham), der schon seit Jahren heimlich in sie verliebt ist. Malvika heiratet Avi und schenkt ihm schon bald einen Sohn. Doch da schlägt das Schicksal eiskalt zu.

 

REVIEW
Es ist nicht einfach, zu erklären, was das zentrale Thema von "Baabul" ist, ohne zuviel zu verraten. Ravi Chopra macht es nämlich seinem Vater B.R. Chopra gleich, der während seiner ganzen Regie-Laufbahn heisse Eisen in Mainstream-Filmen anpackte, und tischt inmitten eines publikumsträchtigen Melodramas eine kritische Frage auf, in der es um den Zusammenstoss von Tradition und dem Recht auf ein erfülltes Leben geht. Mehr sei im Moment nicht verraten, darauf komme ich weiter unten nochmals zurück, denn "Baabul" ist bereits so schematisch und formelhaft, dass ein Spoiler den ganzen Spass gleich doppelt zerstören kann - schliesslich gäbe es dann gar keine Überraschungen mehr.

Ja, Chopra inszeniert streng nach Formel, doch wie ich dieses Jahr schon bei Humko Deewana Kar Gaye angesprochen habe: Gut gemachte Formel-Filme sind letztendlich Mitschuld, warum die meisten von uns überhaupt zu Bollywood gekommen sind. Das Klischee, dass jeder Bollywood-Film eine dreistündige Musical-Liebesschnulze ist, bekämpfen wir alle gern, aber genauso oft tut es doch gut, wenn ein Film kommt, der genau diese Klischee-Vorgabe erfüllt. "Baabul" ist ein solcher Film, doch ein gelungener. Grosse Abstriche gibt es neben dem Originalitätsmangel auch in anderen Bereichen, doch über fast drei Stunden amüsiert, bewegt und unterhält der Film auf hohem Niveau. Formelhaft? Na und!

Bevor ich die Schwachpunkte anspreche, zum Positiven. Der Film gefiel mir etwas besser als Chopras letzter, Baghban, der zwar stringenter erzählt war, aber moralisch auf wackeligen Füssen stand und im Sinne seiner aufgedrückten Botschaft stark manipulierte. "Baabul" ist leichter zu konsumieren, vor allem die erste Hälfte ist mit dem gelungenen Mix aus Schalk und Romantik eine wunderbare Sache. Der etwas zu überdrehte Salman und die zauberhafte Rani harmonieren gut, Salman und Amitabh ebenso - sieht man von ihrem ständigen "Buddy"-Geschnorr ab. Doch die beste Chemie haben Rani und Amitabh, die beiden sind mittlerweile so eingespielt, es ist egal was sie verkörpern. Zusammen sind sie einfach toll.

Chopra führt seine Akteure mit sicherer Hand, er inszeniert schön, aber nicht zu aufdringlich. Und ab der Mitte bewegen die Ereignisse mehr als einmal zu Tränen - selbst dann, wenn man längst kapiert hat, wohin der Hase läuft. Und jeder, der ein paar Bollywood-Filme gesehen hat, weiss dies sehr schnell. Insofern ist es Chopras Talent zu verdanken, dass das Interesse nicht schlagartig absackt, ebenso wie der simplen Freude, diesem Starensemble zuzuschauen. Das gilt in den üppig choreografierten Songszenen genauso wie in den dramatischen Szenen, zum Beispiel dem wuchtigen Schlussappell.

Doch trotz jahrelanger Erfahrung strauchelt Ravi Chopra an manchen Stellen. So gelingt es ihm zum Beispiel nicht, Hema Malini in den Plot einzubinden. Sie wirkt, anders als in Baghban, wie eine Randfigur. Auch John Abrahams stereotyper Nebencharakter blüht nie ganz so gut auf, wie nötig gewesen wäre, obwohl der Part für John einer der charmantesten darstellt, den er je gespielt hat. Manche Sequenzen, wie etwa das Golfspiel in der ersten Filmhälfte, sind etwas sperrig inszeniert, den vielen Songs fehlt die Einzigartigkeit und während die erste Hälfte noch halbwegs Pep hat, so ist die melodramatische zweite geprägt von Längen. Bis hin zum forcierten Finale. Und nun komme ich schlicht nicht mehr um Spoiler herum - also bitte ab hier nur noch lesen, wer den Film bereits gesehen hat oder schon bei anderen Kritiken "verspoilert" wurde.

[SPOILER] Chopras Anliegen ist es nämlich, sich für die Möglichkeit zur Wiederverheiratung von Witwen einzusetzen. Das ist ein nobles Unterfangen und wenn zum Schluss Amitabh dazu eine flammende Rede hält oder die Witwe Pushpa eindringlich ein paar Worte sagt, dann ist klar, dass die Sache den Machern am Herzen liegt. Doch seien wir ehrlich: Auch wenn es in Indien noch vorkommt, dass Witwen daran gehindert werden, nochmals zu heiraten, so ist dies in der Grossstadt deutlich seltener zu finden - und in den Kreisen, aus denen die Kapoors kommen, schon gar nicht. Om Puri dient als traditionalistischer Ankläger, der im Finale die Bedenken vorbringen darf, flankiert von zwei jüngeren Männern, die derselben Meinung sind. Doch der Konflikt wirkt an den Haaren herbeigezogen. Umso schlimmer wird dies, weil einmal mehr die "ich lass alle ausreden"-Dialogtechnik, die in Bollywood immer gepflegt wird, zum Zug kommt, und der lang predigende Amitabh selbst den zuvor so energischen Puri überzeugt. Da ging mir alles etwas zu schnell.

Es steht ausser Frage, dass ein Film, der sich dafür einsetzt, dass Frauen auch nach dem Tod ihres Mannes ein Recht auf Glück haben (neue Heirat inklusive), unseren Goodwill verdient hat. Doch damit das Thema wirklich zieht, hätte die Familie irgendwo in Bihar oder auf dem Land leben müssen, anstatt Teil der High Society von Mumbai zu sein. Und als sei die Schlussphase des Films deshalb nicht schon unglaubwürdig genug, müssen die Figuren sich auch drehbuchtechnisch noch viel zu schnell auf den rechten Weg bringen lassen. Das ist amateurhaftes Skriptschreiben und schadet dem Film. "Baabul" ist nichtsdestotrotz ein schöner, bewegender Film, der mich in der Schlüsselszene zur Filmmitte und später auch bei den Dialogen zwischen Rani und Amitabh sehr berührt hat. Das macht ihn sehenswert, seinen Fehlern und Stolpersteinen zum Trotz. [SPOILER ENDE]

 

SONGS
1) Kehta Hai Baabul- Delikates Intro, begleitet von sehr schönen Heiratsimpressionen (Jagjit Singh)
2) Come On Come On - Bhangra-Spass mit Gruppenchoreografie (Amitabh Bachchan, Sonu Nigam)
3) Keh Reha Hai I - Hübsches, etwas gewöhnliches Liebeslied (Sonu Nigam, Shreya Ghoshal)
4) Baawri Piya Ki I - Eindringliches Stück, etwas unterschwellig in seinem Gesang, aber sinnlich in der Inszenierung (Sonu Nigam)
5) Gaa Re Mann - Beginnt im Qawwali-Stil und gewinnt zwischendurch an Tempo (Sudesh Bhonsle, Alka Yagnik, Sudesh Bhonsle, Kavita Krishnamurthy)
6) Keh Reha Hai II - Reprise (Sonu Nigam, Shreya Ghoshal)
7) Baawri Piya Ki II - Reprise (Sonu Nigam)
8) Har Manzar - Mässiges Disco-Lied (Kunal Ganjawala)
9) Bebasi Dard Ka - Schöner Gesang (Kunal Ganjawala)
10) Kehta Hai Baabul II + III - Reprisen des Titellieds (Jagjit Singh)

 

12.1.07 18:12
 


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