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Filme

JAAN-E-MANN

Liebeskomödie. Indien. Hindi
Alternativer Titel
Jaan-E-Mann: Let's Fall in Love Again...

Regie Shirish Kunder
Drehbuch Shirish Kunder
Produktion Sajid Nadiadwala
Songs Anu Malik
Kamera Sundeep Chatterjee
Choreografie Farah Khan
Darsteller Salman Khan, Akshay Kumar, Preity Zinta, Anupam Kher, Soni Razdan, Aman Varma
Länge 172 Min.

Kinostart 20.10.2006
Trade classification
Flop
Molodezhnaja Altersempfehlung o.A.

Humor * *

Spannung *

Action *

Gefühl * *

Anspruch *

Erotik

STORY
Der Sänger und Schauspieler Suhan Kapoor (Salman Khan) soll seiner geschiedenen Frau Piya Goyal (Preity Zinta) 50 Lakhs Alimente zahlen. Da er das Geld nicht hat, bittet er seinen Onkel Bonney Vakil (Anupam Kher) um Hilfe. Der ist aber ebenso ratlos - bis Agastya Rao (Akshay Kumar) auftaucht. Dieser ist ein gut aussehender Astronaut und sucht nach Piya. In der Schule war er in sie verliebt, doch da er damals furchtbar aussah und keine Ahnung hatte, wie man mit Frauen umgeht, hat es nie geklappt. Doch nun will er Piya endlich für sich gewinnen und Bonney wittert darin eine Chance: Suhan soll einfach mithelfen, den noch immer ungeschickten Agastya mit Piya zu verkuppeln, wodurch die Alimente hinfällig würden. Kurzum reisen Suhan und Agastya nach New York, um Piya ausfindig zu machen.

 

REVIEW
Laut, lang und leer - "Jaan-E-Mann" wäre ein valabler Kandidat für einen Verriss. Doch das Regiedebüt des Cutters und Farah-Khan-Gatte Shirish Kunder sprudelt derart über mit Ideen und zelebriert die "alles ist möglich"-Mentalität, dass man den Film als Bollywood-Fan gar nicht völlig abschreiben kann. Zudem: Jeder Film, der mit Johann Strauss' Donauwalzer und einer Hommage an Stanley Kubricks epochalen "2001" beginnt, kann gar nicht schlecht sein. Und das ist nur eine von "Jaan-E-Manns" vielen Verspieltheiten. Gut eine Stunde lang hopst
Kunder (der als Regisseur, Autor, Score-Komponist und Cutter waltete) durch Gegenwart und Vergangenheit, montiert Traum und Realität, ohne auch nur einmal einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das Publikum überhaupt noch mitkommt. Erst ganz langsam wächst aus dieser Sinnesattacke eine Story. Eine simple und zum Schluss ganz rührende Story.

Schauspieler ohne Statur würden in dieser Extravaganz glatt untergehen. Das passiert bisweilen beinahe Preity Zinta, die Plot-mässig im Mittelteil in die zweite Reihe rückt und Teil des stets wechselnden Kunterbunt-Dekors wird. Doch sie rappelt sich auf und spielt charmant. Salman Khan zieht seine "ich bin so cool"-Nummer durch, aber dies mit erstaunlich viel Gefühl. Am meisten Sympathien dürfte indes Akshay Kumar einheimsen. Der von mir in seinen jüngeren Komödien oft gescholtene Kumar spielt sich hier mit seinem hysterischen Lachen und seiner vermeintlich undankbaren Rolle in die Herzen der Zuschauer, mehr noch als seine zwei Co-Stars.

Vierter grosser Name im Cast ist Anupam Kher und an ihm hänge ich mal die Probleme auf, die ich mit "Jaan-E-Mann" hatte. Er spielt zum einen Suhans Onkel Bonney Vakil und (ohne Grund) einen Kellner in New York. Bonney ist ein Zwergwüchsiger und für Anupam hiess das, auf Knien gehen und auf die Tricktechnik hoffen. Tatsächlich sieht er nie so überzeugend aus wie ein Hobbit in Lord of the Rings, doch es funktioniert schon. Nur eben: warum diese Entscheidung? Bonney ist zwergwüchsig, weil der Regisseur einen Zwergwüchsigen zeigen will. Oder anders gesagt: Die Technik ist da, also brauchen wir sie. Dieses Denken zieht sich durch den ganzen Film. Hier ein willkürlicher Effekt, da ein Scheinwerfer-Bouqet, dort eine Farbexplosion digitaler oder ausstatterischer Natur. All das teilweise ohne Koordination, sondern nur, weil es halt geht. Weil das Budget da war. Am schlimmsten wirkt dies bei der Bildgestaltung. Fast jede Einstellung ist überladen mit Objekten und fast jede ist schief, einfach, weil man die Kamera halt schräg halten kann. Ein Bedürfnis danach besteht nicht.

Kunders Hintergrund als Schnitttechniker (z.B. bei Main Hoon Na) ist ebenso offensichtlich, denn er montiert und schneidet wie auf Drogen. Das sorgt in der Anfangsphase für Verwirrung, später für Erschöpfung, denn ein fast dreistündiger Film mit derartigen Cuts und Schwenks und Zooms ist einfach eine horrende Arbeit für die Glotzerchen. Worte wie überladen, ausufernd, extravagant oder bunt werden auf viele Bollywood-Filme inflationär angewandt. Hier jedoch wird der Film jeder dieser Klassifikationen gerecht. Und noch weiter.

Das ist aber eben auch seine Stärke. "Jaan-E-Mann" ist derart versessen darauf, den Zuschauer zu überwältigen, dass man sich irgendwann hingibt. Die Romantik, ja selbst der Witz werden oft erdrückt unter der kolossalen Präsentation, die Raumschiffe, New York, Massenszenen und Windelwerbung umfasst, doch der Wille, dem Zuschauer alles zu geben, sich richtig gehend zu verausgaben, wirkt ansteckend. Der innere Cineast ruft "stopp", der Bollywood-Fan im Herzen "mehr". Das kann zum Schockzustand führen, zum Zuckerkoma, zur völligen Begeisterung, doch auf jeden Fall weiss man hier stets, dass man Kino anschaut, das mit Enthusiasmus gemacht ist, im Grenzbereich aus John Waters (v.a. "Cry Baby", Baz Luhrmann und Yash Chopra. Gutes Kino? Ach, das ist wie immer Geschmacksache und ich tendiere beinahe zu einem "nein". Doch mit hübschen Songs, überbordenden Bildern, charmanten Stars und einigen tollen Einfällen ("2001", Filmfare-Show mit Stars von früher) ist "Jaan-E-Mann" wenn schon schlechtes Kino mit Hochgenuss. Oder Kitsch-Trash-Überwältigung in seiner wuchtigsten Form. Oder einfach Bollywood.

PS: Nur Salman Khan in Frauenkleidern, das muss nicht sein.

 

SONGS
1) Humko Maaloom Hain - Hübsche Ballade, angenehm klassisch und verspielt unmgesetzt (Anu Malik, Sonu Nigam, Sadhna Sargam)
2) Udh Jaana....Bro - Fades Lied, auch in der Umsetzung nicht sonderlich ansprechend (Kunal Ganjawala, Sunidhi Chauhan, Adnan Sami)
3) Jaane Ke Jaane Na - Routinierter Pseudo-Qawwali, völlig bizarr inszeniert (Sonu Nigam, Sukhwinder Singh).
4) Ajnabi Shehar - Mässiges Aufstellerlied (Sonu Nigam)
5) Kubool Kar Le - Doofe Lyrics, immerhin aber peppig (Rahul Vaidya, Amit Sana, Prajakta Shukre).
6) Sau Dard - Fühlige Ballade (Anu Malik, Sonu Nigam).

 

12.1.07 17:59


Don-2006

Actionthriller. Indien. Hindi

Alternativer Titel Don - The Chase Begins Again

Regie Farhan Akhtar
Drehbuch Farhan Akhtar nach einem Drehbuch von Salim-Javed
Produktion Ritesh Sidhawani
Songs Shankar Eshaan Loy
Kamera Mohanan
Choreografie Saroj Khan, Farah Khan, Ganesh Hedge, Rajeev Surti
Darsteller Shahrukh Khan, Priyanka Chopra, Arjun Rampal, Boman Irani, Kareena Kapoor,
Om Puri, Isha Koppikar, Pavan Malhotra, Chunky Pandey, Sushma Reddy
Länge 168 Min.

Kinostart 20.10.2006
Trade classification
Hit
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12

Humor *

Spannung *

Action * * *

Gefühl

Anspruch *

Erotik *

STORY
Der Drogenboss Singhania (Rajesh Khattar) führt ein lukratives Kartell. Sein Handlanger in Kuala Lumpur ist der skrupellose Don (Shahrukh Khan), der Gegner ohne mit der Wimper zu zucken auslöscht. Auch Ramesh (Diwakar Pundir), der seine Organisation verlassen wollte, legte er um - und als dessen verführerische Verlobte Kamini (Kareena Kapoor) Rache üben wollte, biss auch sie ins Gras. Rameshs Schwester Roma (Priyanka Chopra) versucht es auf andere Art und schleicht sich Zwecks Vergeltung in Dons Bande ein. Bevor sie zuschlagen kann, verunglückt Don, als er vor Commissioner De Silva (Boman Irani) zu fliehen versucht. Um an Informationen über Dons Hintermänner zu kommen, vertuscht De Silva den Unfall und sucht Vijay (Shahrukh Khan) auf, ein simples Gemüt, das Don aufs Haar gleicht. Der Cop überredet Vijay, sich als Don auszugeben, dafür würde sein Ziehsohn mit einer guten Schulausbildung belohnt. Vijay sagt zu. Doch Roma ebenso wie der mysteriöse Jasjit (Arjun Rampal) könnten seine Aktion gefährden.

 

REVIEW
Der alte Don ist besser. Nun, da das aus dem Weg ist, kann ich mich dem neuen widmen, einem coolen, modernen, gelackten Remix aus Ideen des alten Don und globalem Actionkino des neuen Jahrtausends. Hinter der Kamera stand mit Farhan Akhtar (Lakshya) der Sohn des Original-Autors Javed Akhtar, insofern war garantiert, dass die Neufassung dem Ursprungs-"Don" den nötigen Tribut zollt. Das tut er auch, sei es in Kareena Kapoors Tanz im Helen-Stil, bei Shahrukhs Amitabh-Tonfall in seiner Vijay-Interpretation und natürlich in Teilen der Story sowie den etwas aufgepeppten Songs. Doch bei vielen kritischen Vergleichen zwischen altem und neuem "Don" schneidet der neue schlechter ab: weniger Kult-Faktor, weniger Charme, weniger bildgestalterische Freude. Ich unterschreibe all dies bedingungslos, hänge aber an, dass der neue "Don" den alten aufwertet, und umgekehrt. Mögen kann man beide.

Weniger Charme und schwächere Bildsprache muss man aber unbedingt anklagen - das sind die bereits angesprochenen deutliche Schwächen von "Don". Letzteres ist schnell abgehakt: Kameramann Mohanan arbeitet hier an seinem ersten derartigen Grossprojekt und obwohl er in Malaysia manche ansehnliche Location einfängt, so fehlt ihm doch das Talent, Bilder von bleibendem Wert zu schaffen. Die Kompositionen sind erschreckend profan, selbst die vermeintlich coolen Shots hätte ein talentierterer Kameramann besser hingekriegt. Mohanan bekam in Indien für "Don" einiges Lob, doch das ist typisch für eine Sensibilität, die moderne und gestylte Kameraführung per se mit Qualität gleichsetzt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Männer wie Sanjay Gupta dort oft als Stil-Ikonen gefeiert werden?

Da "Don" aber dennoch fachmännisch aussieht (der Retro-Schnitt rettet manche schwächer gefilmte Szene), ist dies nur ein kleineres Manko. Deutlich schwerer wiegt der Mangel an Charme. Shahrukh kann sehr sympathisch sein, das wissen wir alle - und dass er als "Don" keinen Charmebolzen mimen darf, ist ebenso klar. Doch auch als Vijay bleibt er trocken, seine Feuer mit Priyanka entflammt nur kurz im Kult-Song "Khaike Paan Banaraswala" und so richtig mitbangen kann man mit dem Kerl sowieso nie, da er einfach zu glatt, ja, zu öde ist. Überhaupt geht einem niemand hier wirklich nah, würde einer erschossen, es liesse völlig kalt. Nur Arjun Rampal, der sein Leben für seinen Sohn opfern würde, erzeugt so etwas wie Emotionen. Dass hingegen selbst die Anfangsszenen mit dem familiären Verlust von Kareena und Priyanka nicht berühren ist symptomatisch für einen vor lauter Coolness oft erstarrenden Film.

Und bevor ich nun alle erlöse und doch noch erkläre, warum der Film Laune macht - weitere Defizite. Der Sound ist meist nicht im Studio nachsynchronisiert und wirkt an manchen Stellen unprofessionell. Die Koffer-Szene aus dem Original ist hier im Schnelldurchlauf völlig vergeudet. Die Sets sind langweilig, uncharakteristische Zimmer, anonyme Plätze, da kommt keine Freude auf - der Film wirkt wie durch einen industrialistischen Coolness-Filter gefilmt, der alles Leben entzieht, ausser in den Songs. Isha Koppikars Kleid in"Aaj Ki Raat" sieht aus wie ein schwangerer Weihnachtsbaum, wer hat das nur geschneidert? Und: Ich mag den Schlusstwist nicht. Twists sind Überraschungen und daher immer gern gesehen, doch der hier dreht das zuvor Gesehene derart um, dass auf einen Schlag Glaubwürdigkeitsprobleme auftreten. Es passt zum "Don"-Plot, doch es wirkt trotzdem forciert. Und der Knaller zum Schluss des Abschnitts: Es gibt kaum Spannung in diesem Film. "Don" ist derart gestelzt, derart durchchoreografiert und eben derart kalt, dass keine einzige Sequenz auch nur ansatzweise Suspense erzeugt. Für einen Actionthriller kann das den Tod bedeuten, etwas, worunter viele moderne Bollywood-Actionthriller wie etwa Dus leiden.

Also hasse ich den Film? Denkste. Hier sind viel zu talentierte Leute am Werk, um alles abverrecken zu lassen. So ist Shahrukh auch ohne Charme-Attacke sehenswert: Während Amitabh die dominante, böse Seite von Don mit Stimme und Blick gemeistert hat, schafft Shahrukh dasselbe mit seinen recht harten Augen und dem oft sadistischen Grinsen. Ich hatte nie wirklich Angst vor ihm, doch das hatte man vor dem alten Don auch nicht. Vielmehr ist es eine kühne und clevere Antiheldenfigur, souverän gespielt. Und wenn Shahrukh im köstlichen "Khaike Paan Banaraswala" oder auch anderen Stücken aufblühen kann, dann geht die Bude hoch. Priyanka fühlt sich in ihrem Part deutlich wohler als in Krrish, auch ihre Tänze sind besser, die Klamotten meistens auch. Auch Nebendarsteller wie Om Puri, Boman Irani, Arjun Rampal (als etwas junger Pran-Ersatz) und Kareena Kapoor in der Helen-Rolle überzeugen.

Akhtar inszeniert jeden seiner Stars in ihrer Aki-Narula-Garderobe mit Gusto, gönnt ihnen grosse Eintritte und gelungene Szenen mit Glamour und Style, selbst wenn ihre Figuren dünn gezeichnet sind. Richtig aufblühen können sie oft in den Songs, denn die sind wahre Höhepunkte des Films. Sie zeigen auch, dass es vielleicht ein Fehler war, den Film auf seinen kühlen, vermeintlich westlichen Stil zu trimmen. Masala wäre der bessere Ansatz gewesen mit Retro-Songs, noch mehr Action und irreren Stunts. Hier kommt einfach zu selten ein Kick und die, die kommen, kennt man oft schon aus Hollywood-Filmen - oder Ong-Bak, wie Shahrukhs Schlagtechnik gegen Schluss. Apropos Kampf: Ich habe selten solch überzeugende Faustkämpfe im indischen Kino gesehen. Grosse Gratulation, dass für einmal weder auf "Matrix"-Stilisierung noch auf Bud-Spencer-Gekloppe gesetzt wurde, sondern auf Schläge, die eher an das koreanische Kino erinnern. Auf der anderen Seite ist es bedauerlich, dass Priyanka hier von Anfang an Kampfsport beherrscht: Im Original lernte Zeenat Aman Kampfsport als Teil ihres Racheplans, das zeigte, wie besessen sie ans Werk ging. Bei Priyanka fehlt diese Dramatik: Sie fasst einfach den Racheplan und legt los.

"Don" strauchelt für mich letztendlich auf einigen Ebenen - Spannung, Emotionen, Figuren, Bildsprache und zum Teil sogar Story. Umso erstaunter bin ich selbst, dass ich mich über weite Strecken unterhalten habe. Ein naher Verwandter wäre vielleicht Sarkar, der auch technisch gut und schauspielerisch überzeugend ist, aber einfach zu losgelöst und distanziert von den Zuschauern spielt. Bei "Don" ist dieser Abstand zwischen Film und Publikum nicht gar so gross, doch sieht man von den Songs ab, gibt es viel zu wenige Sequenzen, die einen Aufschreien, Lachen oder Bangen lassen. "Don" ist einfach nur ein nettes Remake für die heutige Zeit, ein gelackter Actionthriller von stattlicher, aber unpersönlicher Natur.

 

SONGS
1) Yeh Mera Dil - Retro-Vibe trifft Techno-Beats: ein interessanter Mix mit schneidiger Inszenierung (Sunidhi Chauhan)
2) Mourya Re - Karnevalesker Aufsteller-Song (Shankar Mahadevan)
3) Main Hoon Don - Bemüht sexy und modern umgesetzte Nummer, als Song selbst etwas durchschnittlich (Shaan)
4) Aaj Ki Raat - Ungeheuer atmosphärisches Lied mit coolem Retro-Schnitt. Nur Ishas Kleid ist unvorteilhaft (Alisha Chinoy, Mahalaxmi Iyer, Sonu Nigam)
5) Khaike Paan Banaraswala - Der Sympathie-Faktor des Originals ist weg, aber die Neufassung macht ungeheuer Spass (Udit Narayan)

 

12.1.07 17:56


Hum Tumhare Hain Sanam-Ich gehöre dir, meine liebe

Indien 2002

Regie: K. S. Adiyaman

Gefühl * *

Humor *

Drama * * *

Die schöne Radha (Madhuri Dixit) liebt zwei Männer: ihren jüngeren Bruder Prashant (Atul Agnihotri) und ihren besten Freund Suraj (Salman Khan). Nun tritt ein dritter Mann in ihr Leben, als sie den Businessmann Gopal (Shahrukh Khan) heiratet und in dessen grosses Haus zieht. Auch der arbeitslose Prashant macht es sich hier gemütlich. Gopal ist nicht besonders entzückt. Noch weniger freuen ihn die täglichen Anrufe, die Radha und Suraj haben. Langsam wächst in Gopal die Eifersucht.   
Sechs Jahre lang wurde an "Hum Tumhare Hain Sanam" gedreht - das ist sogar für Bollywood-Verhältnisse eine lange Zeit. Die daraus resultierenden Probleme sind offensichtlich: Continuity-Fehler. Am offensichtlichsten ist Salman Khans Haarverlust. Er wechselt von Szene zu Szene seinen Haarstil und seinen Schauspielstil. Das ist schon sehr anstrengend. Weniger Mühe hat Shahrukh Khan, der wohl beste Schauspieler im Film. Er spielt Salman, der manchmal ziemlich peinlich ist, spielend an die Wand. Es ist eine besondere Freude, neben den beiden Khans auch noch Madhuri Dixit zu sehen, die ebenfalls brilliert und mit den beiden spielend harmoniert (es ist ihr erster gemeinsamer Film - aber unter einander haben die drei x Filme zusammen gedreht). Madhuri macht sogar Salmans Szenen erträglich. Ein Kurzauftritt von Aishwarya Rai machte 2002, als der Film herauskam, auch Appetit auf Devdas, in dem Aish, Madhuri und Shahrukh wieder vereint sind.
Von den Schauspielern her also ein durchzogenes Bild. Beim Rest sieht es genauso aus: Die Songs sind eher mittelmässig, das Erzähltempo variiert gewaltig (insbesondere der Schluss ödet an) und die Handlung ist soso lala. Die erste Stunde mag eigentlich noch gefallen (bis auf die Szenen während den Credits, die ich nicht richtig einordnen konnte), die zweite ist v.a. dank Shahrukhs Eifersuchts-Anfällen gut. Die letzte Stunde fällt massiv ab. Der künstlich versöhnliche Schluss ist dabei besonders ärgerlich. Und Aishwarya blind zu machen, ist ein schlechter Drehbuch-Kniff. So kann sie nur in die Leere staren, anstatt mit ihren schönen Augen zu spielen. Die Rolle wird dadurch emotional leerer und nicht, wie sich Regiedebütant K. S. Adiyaman wohl erhofft hat, tiefgründiger.
Genug genörgelt. Trotz diesem inszenatorischem Durcheinander hatte ich überraschend viel Spass mit "Hum Tumhare Hain Sanam". Woran es liegt, ist schwer zu sagen. Die Schauspieler wohl. Und die Tatsache, dass der Regisseur trotz sechs Jahren Drehzeit (das muss man ja wiederholen) in den ersten zwei Stunden einen erstaunlich guten Fluss in den Film gebracht hat. Nein, kein Meisterwerk. Nein, nicht einmal unbedingt ein "must see"-Film. Aber wer wie ich auf die Stars aus Bollywood abfährt, kommt um dieses beim Start heiss diskutierte Werk nicht herum. Sechs Jahre ... Wahnsinn.

Alternativer Titel: Ich gehöre dir, meine Liebe (Übersetzung)

12.1.07 17:53


Dil Ka Rishta-Nur dein herz kennt de wahrheit

Indien 2003

Regie: Naresh Malhotra

Gefühl * * *

Humor *

Liebesdrama * * *

Der steinreiche Jai (Arjun Rampal) verliebt sich in die schöne Tia (Aishwarya Rai). Sie unterrichtet an einer Taubstummen-Schule in Mumbai, welcher Jai finanziell unter die Arme greift. Tia ahnt nicht, dass der Schönling sich in sie verguckt hat. Als er ihr seine Liebe beichtet, muss er schockiert erkennen, dass sie bereits vergeben ist: an den armen, aber liebenswerten Raj (Priyanshu Chatterjee). Da Jai trotzdem nicht nachlässt, heiratet Tai ihren Raj und gebärt ihm einen Sohn. Jai versinkt in Alkohol und Depression. Monate vergehen, bis seine beste Freundin Amrita (Isha Koppikar) Jai zur Vernunft bringen kann. Er beschliesst, dem Alkohol abzuschwören, fährt aber noch einmal in angetrunkenem Zustand - und kracht mitsamt Amrita an Bord in ein Auto. In diesem sassen Tia und Raj! Amrita und Raj versterben noch auf der Unfallstelle, Tia verliert ihr Gedächtnis. Da jede Erinnerung an ihre Vergangenheit Tias Gehirn ruinieren könnte, willigt ihre Mutter (Raakhee) schweren Herzens ein, dass Jai sie nach Südafrika bringt und ihren Sohn als den seinen ausgibt. Kann das auf Dauer gut gehen?  
"Dil Ka Rishta" hat viel Potenzial, verschenkt dies aber weitgehend in der zweiten Filmhälfte. Ausserdem wirkt er trotz bescheidener Lauflänge (143 Min.) deutlich zu lang. Das soll nicht heissen, dass ich mich nicht unterhalten habe. Aishwarya Rai gibt einmal mehr eine solide, wenngleich in manchen Szenen auch etwas affektierte Darbietung. Ex-Supermodel Arjun Rampal ist selbstverständlich auch sehr hübsch anzusehen. Die zwei sind auf jeden Fall ein attraktives Paar, das man - plump gesagt - einfach gerne anschaut. Vor allem in der Schwelg-Nummer "Dil Haye Dil".
Rampal hat in den ganz emotionalen Szenen (etwa im Spital) zwar Mühe, aber wenn er besorgt seine Wimpern zusammenziehen muss, überzeugt er. Zudem fällt auf, dass er in aggressiveren Momenten imponierender herüberkommt. In einer Starker-Mann-Rolle wäre er eigentlich ganz gut aufgehoben - etwas, was er später unter anderem in Asmabhav nachgeholt hat. Die anderen Akteure sind schnell abgehandelt: Raakhee ist solide wie immer, doch ich sehe sie nicht mehr wahnsinnig gerne: Sie spielt mittlerweile nur noch die "ewige Mutter" und dies stets etwa gleich. Der Komiker Paresh Rawal (Aankhen) ist berührend als Jais Millionärs-Vater und Priyanshu Chatterjee (Tum Bin) irritiert ein wenig als Raj. Isha Koppikar ist süss. aber ihr Part ist bescheiden.
Die Lieder sind nicht gerade erster Güte, aber Regisseur Naresh Malhotra (Yeh Dillagi) setzt sie visuell interessant um. Bestes Beispiel ist das erste Stück "Daiyya Daiyya Re", in dem Ash in einer Vielfalt hinreissender Kostüme ihr Tanztalent unter Beweis stellt. Abgesehen von den Song-and-Dance-Nummern ist die Inszenierung im oberen Mittelmass, manche Szenen sind zu stark ausgewalzt, was  und eben in einer übertriebenen Lauflänge resultiert. Schliesslich weiss man bereits nach ein paar Minuten, wie der Film enden wird. Nicht nur, weil er auf Douglas Sirks "
Magnificent Obsession" (1954) basiert, sondern weil Malhotra kaum Wagnisse eingeht. Die Frage ist lediglich, welche Umwege er bis zum Ziel macht. Der erste Teil lebt ganz von diesen Umwegen und man folgt angenehm gespannt. Die zweite Hälfte fällt da im Vergleich ab, bietet aber spektakulärere Bilder, da sie in Südafrika gedreht wurde. Das reicht ganz knapp für einen 3-Stern-Film. Aber Fans von Aishwarya Rai und von schwereren Melodramen sind hier gut aufgehoben.

Alternative Titel: Nur dein Herz kennt die Wahrheit; Beziehungen des Herzens (Übersetzung)

12.1.07 17:51


Kal ho naa ho-Lebe und denke nicht an morgen

Indien 2003

Regie: Nikhil Advani

Humor * *

Gefühl * * *

Drama * * * *

Naina Catherine Kapur (Preity Zinta) lebt in New York. Sie studiert, ist befreundet mit dem reichen Rohit Patel (Saif Ali Khan) und glättet daheim die Wogen. Ihr Vater hat nämlich Selbstmord begangen. Seither hasst ihre Oma Lajjo (Sushma Seth) Schwiegertochter Jennifer (Jaya Bachchan-Bhaduri), der sie die Schuld am Ableben des Sohnes gibt. Und Enkelin Gia (Daniela De Almeida), die von Jenny adoptiert wurde, hasst sie noch mehr. Naina hofft, ein Engel würde erscheinen, und die Familie endlich zusammebringen. Ein Engel kommt tatsächlich - in Person des vorlauten Aman Mathur (Shahrukh Khan), der mit seiner Mutter (Reema Lagoo) aus Indien angereist und bei seinem Onkel eingezogen ist, der gleich neben Nainas Familie wohnt. Aman verguckt sich sofort in Naina und mischt die Familie mit seiner charmanten Art auf. Langsam erwärmt sich auch Naina für Aman. Derweil merkt Rohit, dass er seine beste Freundin Naina eigentlich liebt. Er sucht Rat bei Aman. Wer beichtet wem seine Liebe? Wieso unterdrückt Aman seine Liebe zu Naina? Was hat Aman zu verbergen? Das Karussell der Liebe ist erst gerade in Schwung gekommen.
Karan Johar schrieb das Drehbuch und produzierte. Für die Regie setzte er zwar Nikhil Advani ein, der schon für ihn und Regisseur Aditya Chopra (DDLJ) als Assistent gearbeitet hat, doch "Kal Ho Naa Ho" ist ganz ein Baby des K3G- und KKHH-Hitregisseurs Johar. Wenn man ihn kurz auf einen Nenner bringen soll, so vereint er Starensemble, episch-melodramatischen Charakter und NRI-Lastigkeit von K3G mit einer trendigen Präsentation à la Dil Chahta Hai. Ein Beweis für diesen hippen Touch ist bereits das Setting: New York. Keine Alpen, kein Punjab, gar kein Indien! Der Film spielt komplett in New York. Doch nach einem sehr amerikanisierten Start wird "Kal Ho Naa Ho" immer wie indischer.
Wie man es nämlich von einem Johar-Film nicht anders erwarten darf, ist "Kal Ho Naa Ho" stark inszeniert. Ich habe selten einen Hindi-Film gesehen, der technisch virtuoser gehandhabt ist. Jede Kameraeinstellung sitzt, die Farben sind überwältigend, die Musik stimmt, der Schnitt ist klasse. 180 Minuten Top-Ästhetik. Alleine dafür muss man ihn schon lieben. Und dann kommt Shahrukh ins Spiel. King Khan reisst den Film zwar an sich, aber nicht als Ego-Trip. Er agiert schliesslich als "guter Engel" (weshalb manche Kritiker Parallelen zum 1970er-Hit Anand zogen) und nur das  ist seine Funktion: Er soll Gutes tun und die Kapur-Familie retten, ja gar erlösen. Dass SRK die meisten Szenen dominiert, liegt daran, dass Johar ihm vollständig vertraut. Und weil SRK eben ein riesiges Charisma besitzt. Klar kennen wir seine Ticks, Macken und übertrieben Gesten - aber wir lieben sie. Wer nach nunmehr 10 Jahren mit Shahrukh als Indiens Superstar sich nicht an ihn gewöhnt hat, wird es wohl nie tun. Wer es tat, betet ihn in KHNH an.

Doch was wirklich schön ist an dem Film, ist, dass die anderen nicht hintenanstehen müssen. SRK hat zwar die emotionalsten Szenen, aber Preity die charakterlich am Überzeugendsten. Und Saif Ali Khan die witzigsten. Preity zeigt, dass sie wirklich verdammt gut ist. Die quirlige Schauspielerin, die neben Shahrukh in Dil Se debütierte und seither nie mehr eine Hauptrolle mit ihm spielte, glänzt in den ernsten Szenen, die die Zerrissenheit der Familie zeigt ebenso wie in den schwärmerisch-verliebten Sequenzen, den Tanznummern und dem Tränendrüsen-Finale. Einfach eine rundum geglückte Leistung. Und Saif ist der eigentliche Überraschungsknüller von KHNH. Er hat soviel Witz, dass es keinen Johnny Lever als Comic Relief braucht (danke Gott!!). Er hat aber auch Charisma und Sex Appeal. Und ein bescheidenes Ego, so dass er SRK natürlich im Scheinwerferlicht stehen lässt, aber selbst deswegen nicht schauspielerisch zurüsteckt. Seine Chemie mit Shahrukh ist köstlich, so dass die wenigen Pointen, die auf eine homoerotische Beziehung der beiden abzielen, gar nicht so weit hergeholt sind. Aber auch neben Preity macht er eine gute Figur.
Die Nebendarsteller sind eine Ansammlung von Pluspunkten: Jaya Bachchan ist schlicht genial. Sonali Bendre, schön wie immer, hat einen Kurzauftritt. Sushma Seth als Oma kann richtig böse sein. Reema Lagoo ist reizend als liebevolle Mutter von Shahrukh, Ketki Dave in ihrem kurzen Auftritt eine schrille Mutter für Saif. Und dann gibt es eine Vielzahl an Gastauftritten: Sanjay Kapoor gibt kurz Sonalis Ehemann, Uday Chopra läuft in einer witzigen Montage als "Day 6"-Boy durchs Bild (ihr kappiert diese Bezeichnung, wenn ihr den Film schaut). Ja sogar Rajpal Yadav, sonst eher bei Ram Gopal Varma anzutreffen, gibt sich die Ehre. Doch die grösste und kürzeste Überraschung sind Karan Johars Glücksfeen: In der Tanznummer "Mahi Ve" darf Shahrukh ganz kurz neben Rani Mukherjee tanzen. Und sogar Kajol, die sich temporär aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat, darf für ein paar Sekunden SRK zuzwinkern - ein liebevoller Moment, der all die schönen Filme des Paares Revue passieren lässt (ein paar Screenshots gibts hier).
Ach ja, "Mahi Ve". Der farbenfrohe, lüpfige Song ist für mich das Kronjuwel des Soundtracks. Einfach genial der Beat, der Refrain, die Choreografie. "Pretty Woman", für den Johar die Rechte von den Roy-Orbison-Erben erstanden hat, ist sehr rockig, ebenso farbenfroh und bestückt mit hochprofesionellen US-Tänzern. Leider ist die Rap-Einlage schlicht peinlich und die US-Flaggen etwas gar übertrieben. Aber KHNH lässt die USA ja gut dastehen - New York sah schon lange nicht mehr so schön aus. "It's Time to Disco" ist der schwächste Song, doch wirklich mies ist nur der depperte Refrain. Der Rhythmus ist ganz okay, die Inszenierung fast übertrieben sexy. "Kuch To Hua Hai" ist eine bewegende Ballade, die für Toleranz wirbt (inklusive kurzem Gay-Kuss) und Liebe propagiert. Schliesslich könnte "der Morgen ja nie kommen", wie der Titel der nächsten Nummer übersetzt andeutet: "Kal Ho Naa Ho", der Titelsong, eine zärtliche Ballade.
Überhaupt ist die Musik der Dil Chahta Hai-Komponisten Shankar-Ehsaan-Loy, also auch der Background-Score, fantastisch. Auf Donner und Blitze bei den emotionalen Szenen verzichten die Macher, stattdessen setzen sie auf die Kraft der Schauspieler und des Drehbuchs. Dieses ist neben der bewegenden Handlung gespickt mit coolen Dialogen. Einer, der mir aufgefallen ist, ist SRKs Aussage "I haven't seen Dil Chahta Hai so I don't know much about hairstyle". Witzig genug, aber weil Saif und Preity in Dil Chahta Hai mitspielten noch doppelt ironisch. Auch auf Aishwarya Rai, Dilip Kumar, Hrithik Roshan oder Dev Anand wird Bezug genommen. Und der Lagaan-Song "Chale Chalo" wird liebevoll geremixt - für Bollywood-Insider stets ein Genuss.
Zusammengefasst also ein kompletter Erfolg? Nun, nicht ganz. Ein paar Pointen, insbesondere jene gegen die dickliche Sweetu oder gegen Gujaratis, sind unter der Gürtellinie. Und die letzte halbe Stunde, so emotional mitreissend sie auch ist, hätte ein bisschen gekürzt werden können. Auch das komplette Fehlen Indiens ist schmerzlich - und am schlimmsten wiegt der Einbezug von untalentierten US-Statisten. Es ist nicht so übel wie in vielen anderen Bolly-Streifen, wo englischsprechende Statisten scheinbar von der Strasse aufgelesen werden, aber es sticht schon heraus. Tja, was solls. Wenn man am Schluss so wie ich in einem See von Tränen liegt und drei Stunden lang auf einer Achterbahn der Emotionen mitgenommen wird, die amüsiert, berührt, bewegt, involviert, die Hüften in Schwung bringt und nie richtig einen Halt einlegt - dann bin ich bedient. Der beste Bollywood-Film 2003? Gar keine Frage!

Alternative Titel: Lebe und denke nicht an morgen (dt. TV-Titel); KHNH; Tomorrow May Never Come; Indian Love Story (dt. Kinotitel); Der Morgen könnte nie kommen (Übersetzung)

12.1.07 17:49


Devdas-Flamme unserer Liebe

Indien 2002

Regie: Sanjay Leela Bhansali

Spannung * *

Erotik *

Liebesdrama * * * *

10 Jahre lang studierte Devdas Mukherjee (Shahrukh Khan) in London. Nun kehrt er als ausgebildeter Jurist zurück in sein reiches indisches Heimathaus. Seine Familie begrüsst ihn überschwänglich - doch Devdas hat nur Augen für Nachbarstochter Paro (Aishwarya Rai). Die Schöne war seine Kindheitsfreundin und wird nun seine Geliebte. Doch da Paros Mutter Sumitra (Kiron Kher) einst eine Tänzerin war, wollen Devdas' Eltern eine Heirat verhindern und demütigen Paros Familie. Daraufhin verlässt Devdas den Palast und verfällt dem Alkohol, während Paro sich mit einem reichen Herrn verheiratet. Devdas träumt aber weiter von seiner Liebsten, selbst die Kurtisane Chandramukhi (Madhuri Dixit), die sich in ihn verliebt, kann ihn nicht auf andere Gedanken bringen.
Die "Romeo und Julia"-esque Story von "Devdas" wurde zuvor bereits mehrfach verfilmt, unter anderem von Bimal Roy 1955 - doch die neuste Adaption des bengalischen Romans von Saratchandra Chatterjee durch Sanjay Leela Bhansali (Hum Dil De Chuke Sanam) ist ganz klar die aufwändigste: Der bislang teuerste indische Film aller Zeiten und der erste Bollywood-Film, der beim Filmfestival in Cannes antreten durfte. Zudem avancierte er zum erfolgreichsten Bollywood-Streifen des Jahres 2002 und zu Indiens offiziellem Kandidaten für die Auslands-"Oscar"-Auswahl.
Und dies trotz gehörigen Defiziten. Da ist etwa die äusserst melodramatische Story mit der unglaubwürdigen Thematisierung der Alkoholsucht, da ist ein durchhängender Mittelteil und da ist Shahrukh Khan, der mit der anspruchsvollen Rolle leicht überfordert ist - das schien die meisten Kritiker nicht zu stören, denn Khan gewann einen der 9 Filmfare Awards von "Devdas". Die Wucht des Films bremsen diese Mankos aber eben nur bedingt. Bhansali ist ein Meister im Umgang mit Schauwerten und er arrangiert sie hier grandios: Die poetische Musik, das spektakuläre Dekor, das opernhafte Finale, die tollen Kostüme und die fulminanten Tanzeinlagen - das macht einfach Laune. Nicht zuletzt spielen die weiblichen Stars den King Khan glatt an die Wand und werten den Film um ein Vielfaches auf.
Die eine ist Madhuri Dixit in ihrer letzten Rolle vor der grossen Babypause. Sie liefert eine fantastische, reife Performance ab und tanzt wie eine Göttin, wofür sie ihre fünfte "Filmfare"-Auszeichnung holte. Die andere ist Aishwarya Rai, die "Miss World 1994" und ohne zu übertreiben eine der schönsten Frauen der Welt. In dieser ebenfalls Filmfare-gekrönten Darbietung beweist sie eindrucksvoll, dass sie eben auch schauspielern kann. Und blendend tanzen. Allein schon wegen Rai sind diese 181 Minuten das Durchhalten wert. Die Augen werden in "Devdas" also vollumfänglich bedient - und obwohl zu einem als Magnus Opus gefeierten Werk doch noch etwas mehr gehören würde, belohnt "Devdas" die Zuschauer mit einem einzigartigen Erlebnis. Bhansalis letzter, Hum Dil De Chuke Sanam, ist nach meinem Empfinden aber noch besser - und wegen weniger Theatralik auch rührender.

Alternativer Titel: Devdas - Flamme unserer Liebe

12.1.07 17:46


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